cicero dixit:
meine lieben,
heute war der lateinunterricht tatsächlich zu etwas gut.
ich saß da und lateinische sätze fraßen sich bandwurmartig durch mein gehirn, um nichts als löcher zu hinterlassen, als mir plötzlich ein abschnitt so außergewöhnlich sinnvoll erschien. versteht mich nicht falsch: in meinen augen war cicero ein wahres genie - und doch würde ich meinen vormittag für gewöhnlich lieber anders verbringen, als seine uralten reden zu übersetzen.
cicero riet jedenfalls angehendem alleinherrscher antonius, den wahren weg des ruhms zu gehen. antonius solle so handeln, dass das volk ihn liebe, anstatt ihn zu fürchten.
der jubel des volkes solle nicht aus angst und pflicht geschehen, sondern weil sie antonius für seine guten taten achteten.
da musste ich auf einmal an mich denken. nicht, weil ich antonius ähnle. auch nicht, weil ich ruhm erstrebe.
aber ich habe darüber nachgedacht, ob manche leute sich mir vielleicht einfach nur unterwerfen, weil sie respekt vor mir haben.
ich habe eine bestimmte stellung, aus irgendeinem grund hat es sich einfach so ergeben, dass sich ein grüppchen um mich gebildet hat, in das nun die meisten versuchen einzutreten. mir ist das alles mittlerweile zu oberflächlich und ich habe mich zurückgezogen von all dem. und doch überlege ich, ob die leute mit mir befreundet sein wollen, weil sie mich und meine gegenwart mögen, oder weil sie fürchten, ohne meine "gunst" keinen hohen sozialen rang erreichen zu können.
für jüngere mädchen sind ich und meine freunde einfach "in" und sie schwirren um uns herum, um uns so nah zu sein wie möglich. sie sind immer übertrieben nett zu mir und manchmal muss ich fast lachen, weil sie mir wahrscheinlich mit vergnügen die schnürsenkel zubinden würden. cicero hat mir mal den erhobenen finger gezeigt: warum tun sie das? nicht, weil sie mich mögen.
ich scheine den falschen weg zu gehen. ich meine, ich bin eigentlich nett zu jedem, habe ein lächeln für die meisten menschen übrig und tue nichts, damit ich gefürchtet werde.
und doch... es ist nicht richtig so.
ich weiß nur noch nicht so genau, wie ich auf einmal nicht mehr "in" sein soll.
naja, solange das meine schlimmsten sorgen sind :)
die schwerwiegenden seelentrümmer scheinen sich noch immer auf cabo san lucas zu sonnen.
Tiffy
heute war der lateinunterricht tatsächlich zu etwas gut.
ich saß da und lateinische sätze fraßen sich bandwurmartig durch mein gehirn, um nichts als löcher zu hinterlassen, als mir plötzlich ein abschnitt so außergewöhnlich sinnvoll erschien. versteht mich nicht falsch: in meinen augen war cicero ein wahres genie - und doch würde ich meinen vormittag für gewöhnlich lieber anders verbringen, als seine uralten reden zu übersetzen.
cicero riet jedenfalls angehendem alleinherrscher antonius, den wahren weg des ruhms zu gehen. antonius solle so handeln, dass das volk ihn liebe, anstatt ihn zu fürchten.
der jubel des volkes solle nicht aus angst und pflicht geschehen, sondern weil sie antonius für seine guten taten achteten.
da musste ich auf einmal an mich denken. nicht, weil ich antonius ähnle. auch nicht, weil ich ruhm erstrebe.
aber ich habe darüber nachgedacht, ob manche leute sich mir vielleicht einfach nur unterwerfen, weil sie respekt vor mir haben.
ich habe eine bestimmte stellung, aus irgendeinem grund hat es sich einfach so ergeben, dass sich ein grüppchen um mich gebildet hat, in das nun die meisten versuchen einzutreten. mir ist das alles mittlerweile zu oberflächlich und ich habe mich zurückgezogen von all dem. und doch überlege ich, ob die leute mit mir befreundet sein wollen, weil sie mich und meine gegenwart mögen, oder weil sie fürchten, ohne meine "gunst" keinen hohen sozialen rang erreichen zu können.
für jüngere mädchen sind ich und meine freunde einfach "in" und sie schwirren um uns herum, um uns so nah zu sein wie möglich. sie sind immer übertrieben nett zu mir und manchmal muss ich fast lachen, weil sie mir wahrscheinlich mit vergnügen die schnürsenkel zubinden würden. cicero hat mir mal den erhobenen finger gezeigt: warum tun sie das? nicht, weil sie mich mögen.
ich scheine den falschen weg zu gehen. ich meine, ich bin eigentlich nett zu jedem, habe ein lächeln für die meisten menschen übrig und tue nichts, damit ich gefürchtet werde.
und doch... es ist nicht richtig so.
ich weiß nur noch nicht so genau, wie ich auf einmal nicht mehr "in" sein soll.
naja, solange das meine schlimmsten sorgen sind :)
die schwerwiegenden seelentrümmer scheinen sich noch immer auf cabo san lucas zu sonnen.
Tiffy
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